Alexandra Maria Lara… wie wir
Von Stefanie Hentschel - Brigitte - 23.12.2002
Anziehsachen bekommt man ja nicht so schrecklich gern geschenkt. Entweder muss man mit zum Aussuchen, dann ist die Überraschung futsch. Oder man hat sie nicht mit ausgesucht, und dann heißt es Freude heucheln anstrengend.
Ausnahme: Kostüme zum Fest.
So richtig opulente Roben, die während der Feiertage durch aufwändige Historienfilme rauschen, und das Ganze ist so üppig wie eine fette Weihnachtsgans. Da kann man zur Not einfach nur stumpf starren und sich an schmucken Uniformen und wogenden Dekolletés erfreuen, wenn einen die Verwandtenbesuche die letzte Kraft gekostet haben.

In diesen Tagen prächtig ausgestattete Historien - Mehrteiler zu senden heißt Freude schenken, und so eine Freude macht uns das ZDF ab dem Dreikönigstag mit dem Vierteiler "Napoleon". Und als wär das alles nicht schon schön genug, trippelt da zwischen
Superstars wie Depardieu, Malkovich und Isabella Rossellini ein zartes Geschöpf herum, von dem wir sonst viel zu wenig sehen: Alexandra Maria Lara, 24 Jahre alt und im Moment die interessanteste junge Schauspielerin im ganzen Land.

Keine kriegt wie sie diese ganz spezielle Mädchen-Mischung hin, genau in der Mitte zwischen rehäugig und zickig. In "Der Tunnel" überwog definitiv das Rehauge, in Doris Dörries "Nackt" kam auch die Zicke zu ihrem Recht. Damit ist die in Rumänien geborene Berlinerin langsam, aber sicher auf dem Weg nach ganz oben. Zielstrebig und hoch professionell, wie es heißt. In "Napoleon" spielt sie jetzt eine polnische Gräfin, die sich dem Feldherren aus patriotischem Heldenmut an den Hals wirft: Zwischen den Laken will sie ihm die Souveränität für ihre Heimat abschmeicheln. Dabei sehen wir nicht nur zum ersten Mal eine blonde Lara, sondern gleichzeitig so was wie eine blonde Audrey Hepburn. Denn der sieht Frau Lara hier einfach verblüffend ähnlich mit dem langen schlanken Hals über dem bortenbesetzten Ausschnitt. Weil die Rolle für ein dickes Plus auf dem Rehaugen Konto sorgt, bleibt ihr aus Ausgleichsgründen dann wohl nichts anderes übrig, als in ihrem nächsten Film als rechte Schnepfe daherzukommen. Aber das kriegt sie schon hin.